Farben und Lacke - Kennzeichnung und Verwendung


Renovieren - aber Vorsicht!

Selbermachen spart Geld, bringt Freude und schafft oftmals Ergebnisse, die sich mit denen von Profis durchaus messen können. Die zahlreichen Baumärkte und Spezialgeschäfte lassen mit einem immer größeren Angebot an Anstrichstoffen kaum noch einen Wunsch offen. Aber Vorsicht! Farben und Lacke können gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe enthalten. Wissen Sie darüber Bescheid? Mit diesen Informationen wollen wir Ihnen helfen, die richtige Wahl zu treffen.

Anstrichstoff - Was ist das eigentlich?

Bis auf wenige Ausnahmen besteht jeder Anstrichstoff aus den 4 Komponenten Bindemittel, Lösemittel, Pigment und Zusatzstoff. Das Bindemittel bestimmt die Art des erforderlichen Lösemittels und die Verwendungsmöglichkeiten.

Als Faustregel gilt:

  • wenig Bindemittel - viel Pigment = Grundanstrich
  • viel Bindemittel - wenig Pigment = Deckanstrich

Verwendungsmöglichkeiten


Wand- und Fassadenfarben (Auswahl)


Bezeichnung Bindemittel Lösemittel
Dispersionsfarbe Latexfarbe Acrylharzfarben Kunststoffdispersionen aus Polymerisatharzen bis 10% organische Lösemittel z.B.Testbenzin, Wasser
Leimfarbe tierische oder pflanzliche Leime z.B. Kaseinleim, Celluloseleim Wasser
Kalkfarbe Gelöschter Kalk Wasser
Silikatfarbe Wasserglas Wasser

Dispersionsfarben haben eine gute Abrieb- bzw. Abwaschbeständigkeit. Sie sind sowohl im Innen- als auch im Außenbereich einsetzbar. Viele Dispersionsfarben werden mit einem Lösemittelanteil von < 0,1% im Handel angeboten. Leimfarben können nur innen verwendet werden. Reine Kalk- und Silikatfarben gehen eine chemische Verbindung mit dem Untergrund ein. Sie eignen sich besonders gut für Fassadenanstriche. Im Fachhandel sind häufig Silikatdispersionsfarben erhältlich.

Lacke und Lackfarben (Auswahl)


Bezeichnung Bindemittel Lösemittel
Alkydharzlack Alkydharze (Verbindungen aus Alkoholen und Fettsäuren) 30-50% organische Lösemittel, z.B. Testbenzin, Terpentinöl
Acryllack Ester der Acryl- und Methacrylsäure bis 10% organische Lösemittel, Wasser

Alkydharzlacke werden als Klarlacke und Lackfarben für Innen- und Außenanstriche auf Holz, Metall, Putz und anderen Untergründen verwendet.

Acryllacke mit einem max. Anteil von 10% Lösemittel sind den anderen Lacken auf jeden Fall vorzuziehen.


Gütesiegel und Umweltzeichen

Eine wichtige Orientierungshilfe für den Kauf umweltfreundlicher Produkte sind Qualitäts- und Umweltsiegel, jedoch nur, wenn sie von unabhängigen Instituten vergeben werden.


Der Blaue Engel


Das älteste und bekannteste Umweltzeichen, der "Blaue Engel", wird vom Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. (RAL) vergeben. Zeicheninhaber ist das Bundesministerium für Umweltschutz, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

"Blauer Engel ...weil emissionsarm" (RAL- UZ 102)Auszeichnung emissionsarmer Wandfarben, Dispersionsfarben, Silikatfarben, Dispersionssilikatfarben


"Blauer Engel ...weil schadstoffarm" (RAL- UZ 12a)
Auszeichnung schadstoffarmer Grundierungen, Lacke und Lasuren (geringer Anteil an gesundheits- und umweltgefährdenden Lösemitteln)


Die Vergabe des "Blauen Engels" erfolgt auf freiwilliger Basis. Nach den Vergabekriterien sind umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe nicht verboten. Produkte mit dem "Blauen Engel" sind eine schadstoffarme Alternative zu Vergleichsprodukten, dürfen aber nicht als schadstofffrei und gesundheitlich unbedenklich verstanden werden.



TÜV-Prüfzeichen (Auswahl)

TÜV-Umweltsiegel
Vergabe nur für Produkte, bei deren Herstellung natürliche und ökologisch unbedenkliche Stoffe und Verfahrensweisen verwendet und Emissionen gering gehalten werden. Sie müssen die Kriterien des Umweltstandards UT 21 erfüllen.



TÜV Toxproof (für schadstoffgeprüfte Produkte)
Anspruch geringer als bei obigem Siegel. Dieses Siegel wird für schadstoffgeprüfte Produkte nach einem Standard des TÜV Rheinland vergeben.


TÜV Materialprüfung
Bei Produkten mit diesem Siegel wurden spezielle Untersuchungen auf Ihre Eignung für Allergiker durchgeführt.

Die Vergabe der TÜV-Prüfsiegel erfolgt wie beim "Blauen Engel" auf freiwilliger Basis. Die Prüfkriterien für die Vergabe richten sich nach dem zu vergebenden Prüfsiegel. TÜV-geprüfte Produkte sind eine umweltfreundliche Alternative, stehen aber auch nicht für Schadstofffreiheit und absolute gesundheitliche Unbedenklichkeit.



Siegel für Anstrichstoffe auf Naturbasis - Warenzeichen natureplus
Es kennzeichnet u.a. Wandfarben auf pflanzlicher und mineralischer Basis, die umweltgerecht hergestellt sind. Es deklariert sämtliche Einsatzstoffe und garantiert strenge Schadstoff-Grenzwerte.



Europäisches Umweltzeichen Euroblume
Kennzeichnung emissions- und schadstoffarmer Farben und Lacke für den Innenbereich.
Das Zeichen wird von der Europäischen Kommission herausgegeben.



Siegel auf der Basis von DIN-Vorschriften
DIN-EN 71/3, Sicherheit von Spielzeug, Speichel- und Schweißecht

Das Prädikat "speichel- und schweißecht" für Holzanstrichstoffe bezieht sich immer auf das verarbeitete und vollständig getrocknete und ausgehärtete Produkt. Die Einhaltung dieser Norm wird auch durch andere Label oder schriftliche Hinweise auf dem Etikett des Produktes dargestellt.


Produktprüfungen

Eine weitere gute Orientierungsmöglichkeit für Verbraucher sind die von der Stiftung Warentest und von Ökotest durchgeführten Produktprüfungen. Beide Institutionen testen Produkte nach ihren technischen Eigenschaften, Umweltverträglichkeit sowie Handhabung und bewerten sie von "sehr gut" bis "mangelhaft". Der Verbraucher sollte aber auch das Jahr des Tests beachten, da oftmals mit Ergebnissen geworben wird, die Jahre zurückliegen und von neueren Entwicklungen bereits überholt sind.



Hinweise zum Einkauf

  • Informationen in Fachzeitschriften beachten
  • Beratung bei Fachhändlern
  • Beschriftung der Farb- und Lackdosen beachten
  • Prüfsiegel und Gütezeichen unabhängiger Institutionen beachten. Sie sind eine gute Orientierungshilfe bei der Auswahl umweltverträglicherer Produkte. Sie attestieren jedoch keine Schadstofffreiheit und völlige gesundheitliche Unbedenklichkeit.
  • Genauere Informationen über die Zusammensetzung des Produktes erhält man durch den Produktcode (Giscode - www.gisbau.de).
  • Informationen in Technischen Merkblättern nutzen. Man erhält sie in Fachgeschäften oder kann sie beim Hersteller anfordern.
  • Besonders wichtig für Allergiker ist eine Volldeklaration der Inhaltsstoffe. Diese weisen in der Regel Naturfarben auf. Sie sind meistens nur in speziellen Fachgeschäften erhältlich.
  • Händleraussagen schriftlich bestätigen lassen.

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